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Säst du noch oder erntest du schon? – Los geht’s auf dem Acker auf Boßel

Frankfurter Straße, Brantener Straße, dann rechts auf die Boßeler Straße… Hier wirkt es noch ein bisschen naturbelassener und insgesamt grüner, als an anderen Orten in der Hansestadt Breckerfeld. Weiter geht es auf der schmalen aber gut ausgebauten Straße in westliche Richtung. Rechts erst ein paar Kühe, dann auf der nächsten Koppel einige Pferde. Sie beachten mich gar nicht, sind den Trubel vermutlich schon gewöhnt. Die Sonne scheint hell und warm, heizt das Auto aber nicht so stark auf. „Eigentlich muss man hier auch mit dem Rad hinfahren oder hinspazieren“, sagt Lothar Strauchfuß bei der Begrüßung. Recht hat er.

Was hier in den letzten Wochen entstanden ist, ist kein Garten im Kleingartencharakter. Den Verantwortlichen ist es wichtig, dass wir von einem Acker sprechen. Entstanden ist dieser Acker auf einer rund 1,2 Hektar großen Fläche kurz vor der Ortschaft Boßel. Die erste vorbereitende Arbeit übernahm Pächter Wilhelm Osenberg, indem er eine Teilfläche (ca. 800 m²) gepflügt hat. Danach haben Ines Reiling und Lothar Strauchfuß mit ihren Helfern zunächst die größeren aufgeworfenen Steinbrocken herausgesammelt. Aus diesen Steinen ist bereits eine kleine Parkplatzfläche entstanden. Im Anschluss sind 18 gleich aufgeteilte, ca. 45 m² große Felder entstanden, die durch Großbuchstaben gekennzeichnet sind. Die Schilder: natürlich Handarbeit, genauso wie die kleinen Hinweistäfelchen, die kennzeichnen, welches Gemüse eingesät wurde. Ines Reiling erzählt nämlich, dass es wirklich wichtig ist, dass Spitzkohl, Spinat und Möhren usw. immer in der gleichen Reihenfolge nebeneinander gepflanzt werden. „Im nächsten Jahr rutscht jedes Gemüse dann nämlich jeweils eine Reihe weiter. Für den Erfolg es ist wichtig, dass die Fruchtfolge eingehalten wird.“ Die beiden haben sich im Vorfeld umfangreich informiert. So weiß Lothar Strauchfuß zum Beispiel, dass der Harmonie zwischen den „Nachbarn“ eine unheimlich große Bedeutung zu kommt. „Möhren und Zwiebeln sind z. B. die perfekten Nachbarn in der Mischkultur, sie halten sich nämlich gegenseitig die jeweiligen Schädlinge vom Hals“. Sicherheitshalber wurden die Zwiebeln dennoch etwas tiefer eingepflanzt, „damit die Zwiebel-Fliege nicht an das Saatgut geht.“

Dieses theoretische Wissen lässt sich bereits in Arbeitsergebnissen erkennen. Einige Felder wurden von „dem inneren Kreis“ der Organisatoren vorbereitet, sodass die Feld-Paten mit ihren Freunden und Familien ihre Parzellen entsprechend der Musterfelder nacharbeiten können.

Die meisten Felder sind bereits vergeben

„Wenn du jede Woche einmal kommst, bist du oft da gewesen“, sagt Lothar Strauchfuß, als er mich davon überzeugen möchte, dass ich auch ein Feld übernehmen sollte. Was mich wirklich erstaunt ist, dass regelmäßiges Gießen gar nicht erforderlich zu sein scheint. „Wie oft hast du schon beobachtet, dass ein Bauer sein Feld gießt?“, fragt Lothar und erklärt, dass es völlig ausreicht, sein Feld nach dem Regen einmal kurz durchzuhaken. Er erklärt mir die Kapillarwirkung und leitet die Regel ab: „Einmal haken, ist wie dreimal gießen.“

„Auf eurem Flyer stand das Bio in Klammern, wieso?“, will ich wissen. Mehr Bio, als alles selber zu machen, geht doch gar nicht! „Ein Bio-Siegel, ist ein Zertifikat. Die Auflagen dazu, sind äußerst streng und schwierig einzuhalten“, erzählt Ines Reiling. Es geht bei diesem Projekt nicht um die Bezeichnung „Bio“ im Sinne eines Siegels, sondern darum, dass man selber etwas erschafft, sich ausprobiert, Erfahrungen mit der Natur macht und diese Erfahrungen zum Beispiel an seine Kinder weitergibt. „Ich stelle mir vor, dass man sich später auch hinsichtlich der Verwertung des Gemüses austauscht, sprich dass Rezepte ausgetauscht oder vielleicht sogar dass gemeinsam gekocht wird“, wünscht sich Ines für die Zukunft. Auch auf den Erfahrungs- und Wissensaustausch freuen sie sich, denn „man lernt ja hier noch jeden Tag dazu“.

Ines und Lothar sind Ansprechpartner, Vorarbeiter aber natürlich nicht allein. Während wir an diesem Freitagnachmittag miteinander sprechen ist auch Anke Karkutsch fleißig und bereitet weitere Felder für das Einsäen vor. Gärtner und Blumenhändler Overhoff, bekannt vom Breckerfelder Wochenmarkt, hat Gemüsepflänzchen günstig zur Verfügung gestellt. Fa. Schülken-Motorgeräte aus Zurstraße haben Handwerkzeuge gespendet. „Es ist nämlich so“, sagt Lothar und nimmt Bezug darauf, dass man einfach mit dem Rad nach Boßel fahren kann, „keiner muss hier schwere Geräte mitbringen. Wir haben eigentlich alles da“. Genauso auch das Wasser – für das Anpflanzen muss dann doch ein bisschen gegossen werden. Mit der Zisterne vom Nachbargrundstück wird ein großer Kanister gefüllt. Gegossen wird mit den von Blumenkunst Breer-Rosin gespendeten bunten Gießkannen.

Inzwischen sind einige der Hobby-Acker-Bauern eingetroffen. Unter anderem auch eine junge Familie mit Sohn und Tochter. „An einem langen Wochenende, an dem der Kindergarten geschlossen hat, muss man den Kindern ja auch etwas besonderes bieten, sagt Marco.“ Also haben sie sich von Epscheid nach Boßel auf den Weg gemacht und pflügen nun gemeinsam ihre 45 m² Ackerland. Überall machen nun hockend und (gebückt) stehend fleißige Breckerfelder an die Arbeit.

„Man weiß dann einfach, wo die Sachen herkommen.“

Auf dem Feld herrscht nicht nur in puncto Fruchtfolge Harmonie. Mal von der Diskussion über den guten oder schlechten Geschmack von krauser und glatter Petersilie abgesehen, ist hier ein sehr liebevoll-engagiertes Team voll bei der Sache. Eine Sache ist ihnen noch wichtig: „Das soll kein Wettbewerb sein! Es geht am Ende nicht darum, wer den höchsten Ertrag hat.“ Es soll auf jeden Fall vermieden werden, dass gedüngt wird. „Das wollen wir gar nicht“, sagt Ines überzeugt.

Während sich in den letzten Tagen bereits die ersten Kartoffelpflanzen aus der Erde recken, sind immer noch einzelne Felder frei. Bei Rückfragen stehen Ines Reiling (01523 3981338) und Lothar  Strauchfuß (0162 8569865) gerne zur Verfügung.

Tim Eitzert