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Vor 74 Jahren endete in der heimischen Region ( Halver/Breckerfeld) der 2. Weltkrieg mit dem Einmarsch amerikanischer Truppen (Infanterie) am 12. bzw. 13. April 1945.

Breckerfeld  Vor 74 Jahren endete in unserer Region Halver/ Breckerfeld  faktisch der zweite Weltkrieg mit dem Einmarsch amerikanischer Infanteristen. Der Chronist (OE) der Seite „Breckerfeld gefällt“ erlebte dieses Ereignis am Freitag, 12. April 1945 auf dem elterlichen Bauernhof in Löhermühle ( heute Stadt Halver) im Alter von 5 Jahren und 8 Monaten. In den letzten Wochen wurde die Erinnerung wieder sehr lebendig, als er alte Unterlagen seines Vaters und dessen damaligen Verpächters Eduard NeuhausIMG_7557 nach langen Jahren erstmalig durchsah. Dabei stieß er auf Aufzeichnungen von Eduard Neuhaus, Landwirt und letzter Müller des Hofes Löhermühle im oberen Ennepetal, der auf Bitten seiner Mutter die Ereignisse des 12. April 1945 einen Tag später schriftlich festgehalten hatte. Eduard Neuhaus nutzte zur Niederschrift der Ankunft der Amerikaner die Rückseite eines Feuerversicherungsvertrages aus der Zeit seines Vaters, weil er damals kein anderes beschreibbares Papier zur Verfügung hatte. In den folgenden Zitaten sind die Erläuterungen des Chronisten  (OE) in Klammern gesetzt. Der Bericht beginnt so:

“ Der Morgen war schön und ruhig, sogar auffallend ruhig. Nicht eine Sirene war zu hören. Der Alarm war offenbar zwecklos geworden, da die amerikanischen Jagdbomber dauernd in der Luft waren. Gegen 10.00 Uhr  suchten einige deutsche Lastwagen (mit deutschen Soldaten auf einem ungeordneten Rückzug) bei unserem Haus Deckung. Onkel Ernst (ein Onkel meiner Mutter aus einer Kleinstadt nahe Düsseldorf.) bat sie, doch etwas weiter zu fahren, um das Haus nicht zu gefährden.IMG_7550 Aber die Kraftfahrer waren schlechter Laune. Einer meinte: „Was liegt mir an der alten Bude gelegen, mein Leben ist mit lieber.“….. Es kamen noch einige versprengte deutsche Soldaten und auch noch geflüchtete Zivilisten, welche uns mit den letzten Meldungen „erfreuten“. Man hörte, die Amis hätten sich in Kierspe schlecht betragen. ….

Es war mittlerweile Mittag geworden. Es war kein Mensch mehr auf der Straße – aber es kamen dicke Rauchwolken aus der Richtung Halver und von Anschlag, später auch von Hohenplanken und Schwenke. Es brannten der Reihe nach die Häuser von Wiebusch in Herweg, Zimmermann zu Anschlag, Hedfeld zu Hohenplanken und dann die Bakelitfabrik Volkenrath in Schwenke. Diese Brände kennzeichneten eindrucksvoll den Vormarsch der Amerikaner.

Gegen 2 Uhr nachmittags sahen wir sie kommen (die amerikanischen Infanteristen). Sie waren schon auf 150 m heran, da war bei uns die „Flaggenfrage“ noch nicht geklärt. Onkel Ernst, ein 150 %-ger Nazi, war  gegen das Hissen der weißen Fahne wegen der angedrohten Wehrwolfrache. ( Die NS Propaganda hatte gegen Kriegsende verbreitet, wer sich durch Hissen weißer Fahnen ergebe, würde durch Angehörige einer Geheimorganisation der NSDAP, die sich „Wehrwölfe“ nannten, erschossen.) So wogte der Meinungsstreit hin und her, bis wir im letzten Augenblick ein weißes Laken über die Haustüre hingen. Dann stellten wir uns alle schön in Linie im Hausflur auf, Finger lang.“

( Hier werden zwei Sachverhalte deutlich:

1. Onkel Neuhaus hatte 1918 als Soldat in Frankreich das Ende des 1. Weltkrieges erlebt und wusste, wie man sich bei einer Besetzung durch „feindliche“ Soldaten zu verhalten hatte.

2. Dem Chronisten selbst wurde in der letzten Woche nach einem Telefonat mit seiner in Süddeutschland lebenden Schwester (damals 10 – heute 84 Jahre) erstmals deutlich, wie nahe ihm ein Angehöriger der NSDAP 1945 war. Meine Schwester: „Onkel Ernst war wohl Lehrer in einer Kleinstadt bei Düsseldorf. Er war aus Angst vor Konsequenzen zu unserer Mutter ins vordere Sauerland geflohen.“ Das wisse sie aus Aussagen unserer Mutter. Die Aufzeichnungen von Onkel Neuhaus kannte sie erst , seitdem ich allen noch lebenden Geschwistern eine Kopie geschickt hatte.) Der Onkel meiner Mutter hatte als Hobby die Haltung von Nutria, einer aus Südamerika stammenden Sumpfbiberart. Er hatte den Hof Löhermühle auch als Zuflucht  gewählt, weil er dort einige Zuchttiere unterbringen wollte.“ Eduard Neuhaus verbot ihm jedoch, diese Tiere in der Teichanlage der zum Hof gehörenden Mühle auszusetzen. Er befürchtete, dass sie die Dämme des  Mühlengrabens und des Mühlenteiches besiedeln und schädigen könnten. Meine Schwester erinnert sich, dass sie im Rinderstall in einem mit  Maschendraht gesicherten Bereich gehalten wurden, in dem eine Zinkwanne aufgestellt war, damit sie  darin „baden“ konnten. Wo sie später blieben, ist ihr nicht mehr in Erinnerung.

Weiter heißt es: „Da kamen auch schon die Amis, etwa 40 Mann in Gruppenkolonne und schwer bewaffnet. Die ersten drangen ins Haus, der Anführer frug ( Onkel Neuhaus war der englischen Sprache mächtig) nach deutschen Soldaten, dann stürzten welche die Treppe hinauf ins (gemeint: in das obere Stockwerk)) Oberstock, während die anderen hinters Haus rannten um etwaigen Flüchtlingen den Weg abzuschneiden. Es war alles in Ordnung und dadurch entspannte sich die Lage beträchtlich.“

(Nach der Schilderung der Begegnung der Soldaten mit unserer Familie und den Beschäftigten auf dem Hof ) Zitat: „Sogar Bonbons gab es für die Kinder“ – endet der Bericht von Onkel Neuhaus mit dem Satz: „So fand dieser schicksalsvolle Tag, dem wir lange mit größter Spannung entgegengesehen hatten, für uns einen guten Ausgang.“

Unter dem Text fand (OE) als Anmerkung in der Schrift seiner Mutter:  „Onkel Neuhaus – 13. April  1945 geschrieben.“  (OE)

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PS: (OE) ist sich sicher, dass es auch in Breckerfelder Familien Berichte von Zeitzeugen in schriftlicher Form gibt. Der Heimatverein ist daran zur Fortschreibung der Stadtgeschichte nach 1900 (bis dahin dokumentiert von Anton Meier) interessiert.

Ansprechpartner für den Heimatverein:

Thomas Lay, Vorsitzender des Heimatvereins Tel. 602 75 76 oder im Rathaus

Jürgen Seuthe, Geschäftsführer des Heimatvereins Tel. 809-31