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Vor 74 Jahren erlebten die Bürgerinnen und Bürger am Samstag, 13. April 1945 den Einmarsch amerikanischer Truppen. Bis dahin war das damals noch sehr kleine Städtchen weitestgehend vom Kriegsgeschehen verschont worden.

Breckerfeld Die letzten Kriegstage des 2. Weltkrieges in unserer Region brachten erstmals  hautnah Tod und  Zerstörung ins damals kleine Landstädtchen. Bis dahin war der heimische Bereich im Unterschied zu den Nachbarstädten von Hagen bis Wuppertal von Bombenangriffen verschont worden. Nur vereinzelt fielen in Außenbereichen von Breckerfeld und Zurstraße einzelne Bomben in unbewohntes Gelände. Schwerwiegend war allerdings der Einschlag einer Bombe, die nahe der Schule in Zurstraße (heute Gemeinschaftsgebäude an der Waldbauerstraße) kurz vor Mitternacht des 2. Oktober 1943 explodierte. Sie war bereits 25 Stunden vorher auf dem Grundstück eingeschlagen. Da keine Explosion erfolgte, hielt man sie für einen Blindgänger. Kinder turnten anderntags darauf herum. Niemand ahnte, dass sie einen Zeitzünder besaß. An der Schule entstand dann in der Nacht hoher Sachschaden, es wurde aber niemand verletzt. Vier Bomben fielen  am 12. April am Südrand der Stadt. Sie galten einer vom Volkssturm errichteten Panzersperre auf der Landstraße nach Halver vor dem Haus Frankfurter Str. 11. Nur drei explodierten im Wäldchen neben der Straße. Es entstanden Schäden am Haus Frankfurter Str. 11. Der Blindgänger wurde nahe der Araltankstelle im Jahr 2003 beim Bau des Kreisverkehres „Vor dem Tore“ gefunden und entschärft.

Der 13. April 1945 wurde für die Innenstadt Breckerfelds zum Tag des Schreckens: Fanatiker, die noch an den Endsieg glaubten und nach Aussagen von Zeitzeugen bis dahin keine Breckerfelder Bürger waren, lösten durch ihr Tun Blutvergießen und Zerstörung aus. Als sich die amerikanischen Truppen von Halver her begleitet von Panzern dem Wengeberg näherten, wollten sie mit Kampfhandlungen die Amerikaner aufhalten. Die Befehlshaber der Flugabwehrstellung in Möcking gaben den Befehl aus, mit ihren Flugabwehrkanonen (Flak) in Richtung Wengeberg zu schießen. Die Geschosse trafen allerdings keine Panzer.  Einige Geschosse schlugen stattdessen auch in der Innenstadt ein. Die Panzerbesatzungen der Amerikaner erwiderten das Feuer und schossen in die Stadt hinein. Am Ende des Tages waren in Folge des Beschusses sechs Tote zu beklagen. Sie starben in der Schmiedestraße und in der Frankfurter Straße: Lehrerin Toni Isken, Bürokauffrau Elisabeth Bertram, Ida Trabert, Metzgermeister Eugen Schmirnbach, Bäckermeister Paul Höller und der belgische Kriegsgefangene Eugen Lezi. In Schmiedestraße, Frankfurter Straße und Neue Straße wurden Häuser durch Granaten beschädigt.

Zum Glück für die Stadt und ihre Bewohner mißlang der Versuch einer versprengten Panzerbesatzung der Wehrmacht, sich in einer feuchten Wiese unterhalb des Westrings nahe der heutigen Tennisplätze in Stellung zu bringen. Der Panzer fuhr sich im Sumpf fest und konnte seine Kanone nicht in Richtung Wengeberg ausrichten. Die Besatzung floh. Zeitzeugen berichten, dass sich damals im katholischen Pfarrgarten ein deutscher Soldat erschossen hat, der wohl zu der Besatzung gehört hatte. Auch in den Außenbereichen gab es damals Tote und Kriegsschäden. In der Nähe von Königsheide starben am 12./13. April insgesamt sechs  Soldaten durch Tieffliegerangriffe und Granatenbeschuss. Am Handweiser und in Holthausen gerieten die Höfe Bökamp und Kleine durch Beschuss der Amerikaner in Brand. Die Schüsse galten einem Trupp versprengter Soldaten, die wohl Richtung Altenbreckerfeld geschossen hatten. Eine Stabshelferin dieses Trupps wurde durch eine amerikanische Panzergranate getroffen und von der Gruppe in einem Haus in Wittenstein verletzt zurückgelassen. Sie beging dort Selbstmord. Am Nesselberg in Branten wurde ein Mann durch die Flak von Möcking her verletzt. Im Bereich des heutigen Parkplatzes an der Ecke Ostring/Epscheiderstraße kam eine Frau Hermann, die als  Evakuierte in der Epscheider Mühle bei Familie Berghaus untergekommen war, durch den Flakbeschuss ums Leben.

Dieser Bericht beruht auf Aussagen von Zeitzeugen: Siegfried Schilling, Ulrich Brinkschulte, Hans Pfingsten, Gottfried Berghaus, Gerd Rafflenbeul, Richard Schmirnbach und Doris Straßburg. Sie schildert in einem Beitrag zur „Geschichte der Dorfschule für die Gemeinde Waldbauer im Spiegel ihrer Chronik“ für den vom Verein „Stadtmuseum Breckerfeld e.V.“ im Jahr 2012 herausgegebenen Band „Geschichte der Breckerfelder Schulen in der Stadt- und Landgemeinde“ die Zeit des Kriegsendes 1945 in Zurstraße. Ein anderer Zeitzeuge schilderte dem Chronisten den Einzug der Amerikaner in Zurstraße. Am 13. April 1945 war es einem besonnenen Offizier der einrückenden Amerikaner zu verdanken, dass es in Zurstraße nicht zu Problemen mit ungewissem Ausgang gekommen ist. Die Bewohner der damals wenigen Häuser entlang der Landstraße hatten alle weiße Fahnen aufgehängt. Drei jugendliche Fanatiker, angeführt vom Sohn des Pastors, der  zur Gruppe der „Deutschen Christen“ zählte, die die Haltung der NSDAP unterstützten, rissen die weißen Laken in der Hauptstraße ab. Das verunsicherte natürlich die anrückenden amerikanischen Soldaten. Der besonnene Offizier fand bald heraus, dass drei Jugendliche dafür verantwortlich waren. Er ließ sie vorführen und vor einer Hauswand antreten. Anschließend ließ er sie mit einem Jeep weit ins Sauerland fahren. Zur Strafe mussten sie zu Fuß nach Hause laufen.

Auch in den folgenden Wochen gab es noch schrecklicheIMG_7573 Ereignisse im Bereich von Breckerfeld und Zurstraße, als Plünderer und Diebe ihr Unwesen trieben. Im Mai 1945 wurde in Zurstraße Bäckermeister Bahrstadt, der Vater von Doris Straßburg, in der Nacht vom  7. auf den 8. Mai von Plünderern erschossen. Das gleiche Schicksal erlitt der Wärter der Ennepetalsperre Oswald in der zu Breckerfeld gehörenden Ortschaft Osenberg am  Hauptvorbecken des  Stausees. Auf den Friedhöfen in Breckerfeld und Zurstraße wurden in den letzten Tagen und Wochen des  2. Weltkrieges insgesamt 17 Opfer des unseligen Krieges begraben.

Übrigens: Der letzte Kommandant der Flakstellung in Möcking lebte bis ins hohe Alter in Breckerfeld.

(OE)