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Vor einem halben Jahrhundert hat eine „Kommunale Neuordnung“ in unserem Raum die Größe der Städte und die Verwaltungsstrukturen grundlegend verändert: Das „Amt Breckerfeld“ mit seinen Gemeinden Breckerfeld, Dahl und Waldbauer wurde per Landesgesetz aufgelöst. Aus den Gemeinden Breckerfeld und Dahl wird die „große“ Stadt Breckerfeld gebildet. Die Gemeinde Waldbauer wird gegen den Willen der Bürger der Stadt Hagen zugeschlagen.

Breckerfeld Kommunale Neuordnungen haben unseren Raum seit 1871 mehrfach betroffen und verändert. Der Bereich des heutigen Ennepe-Ruhr-Kreises gehörte Stand 1.12.1871 zum damaligen Kreis Bochum, dem Kreis Dortmund und dem Kreis Hagen der preußischen Provinz Westfalen. In diesen Kreisen gab es selbständige größere Städte, die sich eine eigene Stadtverwaltung leisten konnten und Ämter mit kleineren selbständigen Gemeinden, deren Verwaltung durch die Amtsverwaltungen gesichert wurde.

Im damaligen Kreis Hagen bildeten 1871 die Gemeinden Breckerfeld (Stadt), Breckerfeld (Landgemeinde) und Dahl das „Amt Breckerfeld“. Der Bereich Waldbauer war Teil des „Amt Ennepestraße“ mit den Gemeinden Haspe, Vorhalle, Waldbauer und Westerbauer. Im Jahr 1889 schlossen sich die beiden Gemeinden Breckerfeld (Stadt) und Landgemeinde Breckerfeld zur Gemeinde Breckerfeld zusammen. Im Jahr 1891 wechselte die Gemeinde Waldbauer aus dem Amt Ennepestraße ins Amt Breckerfeld. Dieses „Amt Breckerfeld“ mit den Gemeinden Breckerfeld, Dahl und Waldbauer hatte Bestand bis zum 31.12.1969. Im Jahr 1929 wurden Bochum, Dortmund und Hagen kreisfreie Städte. Als „Kreis aus der Retorte“ wurde damals der Ennepe-Ruhr-Kreis aus den Resten der Kreise Dortmund, Hagen und Bochum gegründet. Das „Amt Breckerfeld“ kam zum Ennepe-Ruhr-Kreis.

Nach dem Ende der Nachkriegszeit des 2. Weltkrieges erholte sich auch unser Raum nach und nach von den Kriegsfolgen. Das Wirtschaftswunder sorgte für ein starkes Wachstum von Städten und Gemeinden – allerdings nicht überall gleich. Ab den 60-iger Jahren fehlten den Städten und Gemeinden Flächen zur weiteren Stadtentwicklung. Forderungen nach einer kommunalen Neuordnung und nach neuen Verwaltungsstrukturen wurden laut und später öffentlich diskutiert. Vor allem die großen kreisfreien Städte in unserem Raum erhoben Gebietsansprüche auf Gebiete der sie umgebenden Landkreise.

Im Jahr 1967 unterrichteten Landrat Kurt Fedde und Oberkreisdirektor Schulz vom Ennepe-Ruhr-Kreis die Amtsvertretung Breckerfeld, in der gewählte Vertreter der Gemeinden Breckerfeld, Dahl und Waldbauer regelmäßig zusammenkamen, von den ersten bekanntgewordenen Neuordnungsaspekten. Alle Gemeindevertretungen des Amtes Breckerfeld fassten danach gleich lautende Beschlüsse, im Amtsverband Breckerfeld verbleiben zu wollen. Nachdem dann später der Landtag in anderen Landesteilen von NRW Neuordnungsgesetze beschlossen hatte, die  zweifelsfrei verdeutlichten, dass es in Zukunft keine Ämter mehr geben wird, beschloss die Amtsvertretung auf der Grundlage von gleichlautenden Beschlüssen der drei Gemeindevertretungen auf der bisherigen Amtsebene eine Großgemeinde Breckerfeld zu bilden und gemeinsam die Selbständigkeit dieser neuen Stadt Breckerfeld im Ennepe-Ruhr-Kreis zu sichern. Bereits am 16. 09. 1968 schlossen alle drei Gemeindevertretungen einen Gebietsänderungsvertrag zur Bildung dieser „Einheitsgemeinde“ ab.

Der Schock saß tief, als am  13.11. 1969 der Landtagsausschuss für Verwaltungsreform im Rahmen der Beratung des Neuordnungsgesetzes für unseren Raum beschloss: Die Gemeinde Waldbauer wird der Stadt Hagen zugeschlagen, die Gemeinde Dahl verliert das Gebiet der Lungenheilstätte Ambrock an Hagen und die Gemeinde Breckerfeld den Ortsteil Dahlerbrück/Im Dahl an die Gemeinde Schalksmühle. Im übrigen bilden die  früheren Gemeinden Breckerfeld und Dahl die Stadt Breckerfeld. Die Amtsvertretung fasst eine  Resolution gegen die Entscheidung des Verwaltungsausschusses des Landtages. Die Gemeinde Waldbauer führte am 19.11.1969 eine Abstimmung aller wahlberechtigten Bürger der Gemeinde Waldbauer über den Ausschussbeschluss durch: 91 % der Bürger lehnten die Eingliederung der Gemeinde Waldbauer in die Stadt Hagen ab. Alle Parteien halten Informationsveranstaltungen ab und nutzen ihre Kontakte zu ihren Landtagsfraktionen. Nur die Breckerfelder „Freie Wählergemeinschaft (FWG)“ hat keine Gesprächspartner in Düsseldorf. Die heimische FDP hat es besonders schwer: Ihr Parteifreund Willi Weyer ist damals Minister in der sozial-liberalen Landesregierung in Düsseldorf und vertritt die Interessen seiner Heimatstadt Hagen. Die Landtagsabgeordneten der CDU finden in Düsseldorf  auch kein Gehör. Die SPD-Abgeordneten des EN-Kreises mit den damals ehrenamtlich tätigen Landrat Rolf Meyer an der Spitze, erreichen bei der Schlussabstimmung, dass die Gebietsansprüche der benachbarten Großstädte auf das Gebiet des EN-Kreis weitestgehend abgelehnt werden und der Kreis bestehen bleibt. Am Ende der Beratung steht fest: Die Stadt Breckerfeld bleibt selbständig, Waldbauer und der Bereich der Klinik Ambrock fallen an Hagen, Dahlerbrück an Schalksmühle.

Nach dem Landtagsbeschluss Waldbauer nach Hagen einzugemeinden beschloss die Gemeindevertretung Waldbauer unter dem Vorsitz von Bürgermeister Caspar Schulte  dagegen zu klagen. Die Gemeinde Dahl klagte gegen die Abtrennung des Gebietes rund um die Lungenheilstätte Ambrock. Die Gemeinde Breckerfeld legte keine Klage ein, erreichte aber eine hohe Ausgleichszahlung der Gemeinde Schalksmühle für die Abtrennung des Ortsteils Dahlerbrück/Im Dahl.Die Klage der Gemeinde Waldbauer hatte Erfolg: Mit Urteil vom 18.12.1970 stellte der Verfassungsgerichtshof NW aus formellen und sachlichen Gründen die Gemeinde Waldbauer in ihren alten Grenzen mit einer Verwaltungsgemeinschaft mit Breckerfeld wieder her. Die Klage der Gemeinde Dahl wurde abgewiesen.

Am 1.01.1970 wurde die „große“ Stadt Breckerfeld Realität: Aus dem früheren Amtshaus wurde das Breckerfelder Rathaus. Amtsdirektor Werner Kuhenne blieb nun als Stadtdirektor im Amt. Der Regierungspräsident in Arnsberg setzte den letzten Amtsbürgermeister Karl Mähler bis zur ersten Wahl der Stadtvertretung  als “ Beauftragter für den Rat der Stadt Breckerfreld“ ein. Ihm wurde ein 11-köpfiger Beirat zur Seite gestellt. Die Wahl der Stadtvertretung der neugebildeten Stadt fand am 15.03.1970 statt. Im neuen Rat entfielen auf die SPD 11, auf die CDU 7, auf die FWG (Freie Wähler Gemeinschaft FWG 7 und auf die FDP 2 Sitze. Aus dem Volmetal stammten 16 Ratsmitglieder (SPD 8, CDU 3, FWG 4 und FDP 1), aus der früheren Gemeinde Breckerfeld stammten 11 Ratsmitglieder (SPD 3, CDU 4, FWG 3 und FDP 1). In der 1. Ratssitzung wurde Friedrich Recker (FWG) mit 15 Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Auf seinen Gegenkandidaten Karl Mähler (SPD) fielen 11 Stimmen. Bei der Abstimmung gab es eine Enthaltung.

Nach dem Urteil des Verfassungsgerichtshofs NW vom 18.12. 1970 fand in Waldbauer im März 1971 die Wahl der Gemeindevertretung Waldbauer mit folgendem Ergebnis statt: CDU 5, SPD und FDP je 4 Sitze. Dabei gab es in einem Stimmbezirk eine Losentscheidung: Da auf die Direktkandidaten des Bezirks Werner Frischholz (SPD) und Martin Meiwes je  85 Stimmen fielen, musste das Los entscheiden. Werner Frischholz erhielt das Direktmandat. Über die Reserveliste der CDU rückte deshalb Josef Meiwes nach , da er auf der Reserveliste der CDU einen besseren Platz einnahm als Martin Meiwes.

Am Mittwoch, 17. März 1971, trat die neue Gemeindevertretung  zur konstituierenden Sitzung im Gasthof „Zur Post“ zusammen. Die Bürgermeisterwahl brachte eine echte Überraschung: Die „Hasper Zeitung“, die damals im Bereich der Gemeinde Waldbauer viele Leser hatte, begann ihren Bericht über die Sitzung so: „Vor der Wahl (zur Gemeindevertretung) hatten sich alle ein Ziel gesetzt: Kampf gegen Hagen. Knapp einen Monat nach der Mini – Wahl in Waldbauer sind die drei im Gemeinderat vertretenen Parteien hoffnungslos zerstritten.“ Das drückte sich im Ergebnis der Bürgermeisterwahl aus. In der Hasper Zeitung heißt es weiter: „Der Ausgang der Bürgermeisterwahl hat eine tiefe Kluft aufgeworfen: auf der einen Seite die Anhänger des neuen Bürgermeisters Fritz Becker, auf der anderen die Getreuen des Ex-Ratsvorsitzenden Caspar Schulte. ….. Obwohl stärkste Partei erklärte die CDU  den FDP-Mann Fritz Becker zu ihrem Favoriten. Sie witterte ihre Chance, den bisherigen Bürgermeister zu stürzen, als zwei FDP – Ratsmitglieder durchsickern ließen, sie würden für Becker votieren.“ Fritz Becker wurde mit 7 Stimmen zum Bürgermeister gewählt, Caspar Schulte erhielt nur 6 Stimmen.

In Breckerfeld und auch in Waldbauer ging die Kommunalpolitik bürgernah weiter. Sichtbar wurde dies durch die Entwicklung neuer Baugebiete, Schaffung von neuen Schulräumen, Kindergärten und Sportstätten und die Weiterentwicklung der Infrastruktur (Grünanlagen, Straßen). Dazu wurden in Breckerfeld im neuen Gewerbegebiet Betriebe angesiedelt und Arbeitsplätze geschaffen und in Zurstraße wurde ein neuer Sportplatz im „Buddenkamp“ gebaut und Weiterentwicklung der Einrichtung Homborn von der Gemeinde unterstützt,  die viele Arbeitsplätze mit sich brachte.

(OE)

Quellen: Stadtarchiv Breckerfeld, „Der Ennepe-Ruhr-Kreis – Probleme der Wirtschaftsstruktur“, Neuauflage 1979, „Hagen einst und jetzt, links und rechts der Volme“, 1984, Unterlagen von Peter Schulte, Gespräche mit Zeitzeugen wie Klaus Baumann, Gustav Bergmann, Gerd Rafflenbeul, Peter Schulte und vor allem Hans Pfingsten, der damals als noch sehr junger Vertreter des Hauptamtsleiters Willi Giersiepen die vielen Stellungnahmen der beteiligten Gemeinden erarbeiten musste, und eigene Unterlagen des Autors.