Helfer mit Herz und Hightech: Drohnen retten Rehkitze vor dem Mähtod
Von Marion Gerdel, 6.6.2026
Die Landwirte des Märkischen Kreises freuten sich über die gute Wetterlage der vergangenen Wochen, denn so konnten sie ihre Weiden mähen, um das Futter für den kommenden Herbst einzufahren. Gleichzeitig ist diese Jahreszeit aber die gefährlichste für junge Rehkitze, die Gefahr laufen, vom Mähbalken erfasst zu werden, wenn sie versteckt auf den Wiesen liegen. Wie die Kitzretter aus Hagen versuchen, hier so viele Leben wie möglich zu retten, konnte LokalDirekt bei einem der Rettungseinsätze vor Ort beobachten.
Mähen bringt Kitze in Gefahr
Wenn aktuell Drohnen über Wiesen und Weiden fliegen, hat das einen guten Grund. Zu dieser Jahreszeit werden viele Kitze geboren und der Instinkt ihrer Mütter veranlasst diese dazu, ihre Jungen im hohen Gras zu verstecken. Dort bleiben die gefleckten Jungtiere bei Gefahr bewegungslos hocken. Gegen Füchse, Dachse oder andere Raubtiere hilft diese Methode, nicht aber gegen die eben auch zu dieser Jahreszeit eingesetzten Mähbalken der Landwirte. Mehrere Vereine haben es sich zur Aufgabe gemacht, in Kooperation mit den Landwirten diesen Kitzen das Leben zu retten.Die Kitzretter aus Hagen sind eine solche Gruppe von ehrenamtlichen Tierschützern. Der 2021 gegründete Verein hat sich zum Ziel gesetzt, gemeinsam mit den örtlichen Landwirten und Jagdpächtern die Frühlingsmahd der Bauern möglichst sicher zu gestalten. Ihr Vorsitzender, Stefan Vogt, zeigte LokalDirekt vor Ort, worauf es bei der Kitzrettung ankommt.
Technik hilft bei der Rettung
Ein wichtiger Grundstein für die Rettung der Kitze ist dabei die gute Zusammenarbeit zwischen den Rettern und den Landwirten, denn zwischen dem Absuchen der Wiesen und dem Einsatz des Mähbalkens sollte idealerweise keine größere Pause liegen, da sonst die Gefahr besteht, dass die Mutter das Kitz wieder zurück auf die Weise führt. Daher ist eine große Flexibilität der Vereinsmitglieder Voraussetzung, dass die Rettung funktioniert. Denn die Landwirte informieren die Retter meist recht kurzfristig darüber, wann sie planen, welche Wiesen gemäht werden sollen. Je nach Größe des Feldes kommt die Rettungsgruppe, die aus einem geprüften Drohnenflieger und mehreren geschulten Helfern besteht, zirka eine halbe Stunde vor Mähbeginn zur Weide

Die Drohne ist dann schon so programmiert, dass sie in 40 Metern Höhe exakt die Fläche des Feldes abfliegt, ohne dabei auch nur einen Quadratmeter auszulassen. Das von ihr erstellte Wärmebild sieht der Pilot auf der Fernbedienung, die er keinen Moment aus den Augen lässt. Sobald auf dem Bildschirm ein heller Punkt erscheint, werden alle aufmerksam. Denn Weiß bedeutet bei dieser Technik, dass die Kamera etwas Warmes erfasst hat. Aber warm kann vieles sein. Ein großes Blatt, auf das lange die Sonne geschienen hat, ein Maulwurfshügel oder auch mal ein Fuchs oder ein Hase. Oftmals findet die Drohne bei ihrer Suche kein Kitz. Das ist aber dennoch ein Erfolg für die Kitzretter, denn sie können dem Landwirt diese Wiese zur Mahd freigeben, mit dem Wissen, dass hier kein Kitz unter den scharfen Messern sterben wird.
Eingespielte Teams
Ganz besonders freuen sich die Retter aber dann, wenn sie tatsächlich ein oder gleich mehrere Kitze finden. Sobald die Info vom Drohnenpiloten kommt, marschieren sie los und richten sich dabei nach dem Standort der Drohne, die über dem Kitz verbleibt. Wenn die Helfer dann bis auf wenige Meter am Jungtier angekommen sind, erhalten sie weitere Information vom Drohnenpiloten. Per Funk heißt es dann: „Noch einen Meter, ein bisschen weiter rechts“, oder ähnliche Anweisungen. Denn selbst wenn sie direkt vor dem Jungtier stehen, ist es immer noch so gut getarnt, dass es leicht übersehen werden könnte.
Ist es dann gefunden, wird das Kitz mit behandschuhten Händen und einem dicken Büschel Gras vorsichtig, aber sicher hochgenommen und in eine bereitstehende, ausgepolsterte Kiste gelegt. Diese wird in den Schatten gestellt, bis der Landwirt die Wiese fertig gemäht hat und die Gefahr für das Kitz vorbei ist. Dann wird es wieder zu einem möglichst geschützten Platz in die Nähe der eigentlichen Ablagestelle gebracht, damit es schnellstmöglich von der Mutter gefunden wird.









