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„Anno 1739“: Neues Wirtshaus zieht in historisches Gemäuer ein

Von Tanja Satur, 4.3.2026

Gastronom Gustav Kriese eröffnet am 5. März das Wirtshaus „Anno 1739“ an der Frankfurter Straße in Breckerfeld.Foto: Satur

In das Ladenlokal an der Frankfurter Straße 40 kehrt wieder Leben ein. Wo einst die „Stippstihe“ und zuletzt die „Amigo Tapas Bar“ beheimatet war, eröffnet am Donnerstag, 5. März, das „Anno 1739 — Das kleine Wirtshaus“. Gastronom Gustav Kriese setzt dabei auf klassische Hausmannskost, regionale Produkte — und ein Konzept mit Bedacht.

Gastronomie im Blut

Gustav Kriese ist in der Gastronomie groß geworden. Seine Eltern führten zwei Restaurants in Kassel, seiner Geburtsstadt, und später sammelte der gelernte Hotelfachmann umfangreiche Erfahrungen in der Systemgastronomie, leitete unter anderem mehrere Filialen von „Pizza Hut“ im Ruhrgebiet und studierte zusätzlich Betriebswirtschaft. Viele Jahre war er zudem als Gebietsleiter für die Privatbrauerei Fiege tätig. Parallel entwickelte und programmierte er mit einem Geschäftspartner Kassensysteme und 3D-Digitalisierungslösungen für Gastronomiebetriebe.

„Ich kenne Gastronomie aus verschiedensten Blickwinkeln, das kann sicher ein Vorteil sein, wenn man sich entscheidet, ein Lokal zu eröffnen“, sagt Kriese, der in Wanne-Eickel lebt, inzwischen aber zusätzlich auch eine Wohnung in Breckerfeld bezogen hat.

Ein Bauchgefühl für Breckerfeld

Auf das leerstehende Lokal wurde Gustav Kriese eher zufällig aufmerksam. „Ich habe immer mal wieder interessehalber geschaut, was sich auf dem Gastro-Markt tut“, erzählt er. Dabei stieß er auf die Anzeige des örtlichen Immobilienmaklers Martin-Perez. Ohne konkrete Pläne reiste er kurzerhand nach Breckerfeld, um sich selbst ein Bild zu machen — und war angetan. „Für mich als Großstadtkind ist der Ort mitten im Grünen ein Träumchen, fast schon wie Urlaub“, sagt er lachend. Ausschlaggebend sei letztlich sein Bauchgefühl gewesen: „Es war nicht nur das Gebäude, in das ich mich auf den ersten Blick verguckt habe. Egal mit wem ich gesprochen habe, die Breckerfelder waren mir gegenüber sehr offen und sympathisch, ich habe mich auf Anhieb hier wohl gefühlt.“

Das Gebäude an der Frankfurter Straße wurde im Jahr 1739 erbaut.Foto: Satur

Hausmannskost statt Pommes & Co.

Den Namen „Anno 1739“ wählte Kriese bewusst — er soll zum einen auf das Baujahr des historischen Gebäudes verweisen, steht zugleich aber auch für das kulinarische Konzept. „Pizza, Burger und Pommes gehören da eher nicht dazu“, sagt der Gastronom schmunzelnd. Stattdessen werden überwiegend klassische Gerichte wie Rindergulasch, Schmorgerichte, Wirsingrouladen oder deftige Eintöpfe auf der Karte stehen.

Geplant ist eine überschaubare Auswahl mit rund zehn Hauptgerichten auf der Stammkarte sowie ergänzenden saisonalen Angeboten. Dabei setzt Kriese möglichst auf regionale Lieferanten und frische Zutaten statt auf Convenience-Food. „Wenn mir beispielsweise ein Landwirt aus dem Ort erzählt, er habe gerade Steckrüben übrig, dann landet sicher auch mal ein leckeres Steckrübenpüree auf der Karte, da bin ich offen und flexibel.“ Aktuell suche er jedoch erstmal noch einen regionalen Bäcker, erzählt Kriese, für „ein richtig gutes, handgemachtes Sauerteigbrot“ — etwa für klassische Schmalzbrote.

Historischer Charme bleibt erhalten

Das 1739 errichtete Gebäude bietet aus Sicht des neuen Pächters das passende Ambiente für ein traditionelles Wirtshaus. Entsprechend behutsam wurde renoviert. Der Thekenbereich mit seinen Sitznischen blieb erhalten — „allein schon für die Gäste, die nur mal auf ein Bier vorbeikommen möchten“, so Kriese — und ebenso der ursprüngliche Charakter mit den alten Balken. Tische und Stühle wurden wieder dem eher „rustikalen Charme“ angepasst, jedoch einige kleine neue Akzente gesetzt, etwa bei der Beleuchtung oder durch Schwarzweiß-Aufnahmen des Breckerfelder Fotografen Christof Wippermann. Das neue Logo des Wirtshauses, das prominent und zugleich dezent im Inneren leuchtet, hat Gustav Kriese selbst entworfen: „Auch dabei war es mir wichtig, dass es mit dem alten Gebäude harmoniert.“