„Jugendliche ohne Anschluss“: Kreis skizziert Lage
Meldungen über zehntausende Jugendliche ohne berufliche Anschlussperspektive in Nordrhein-Westfalen haben Anfang Mai landesweit für Aufmerksamkeit gesorgt. Grundlage der Berichterstattung sind Angaben, nach denen es im vergangenen Jahr nrw-weit für knapp 33.000 Jugendliche nach dem Ende ihrer Schulzeit unklar gewesen sei, wie ihre ersten Schritte im Arbeitsleben aussehen. Die Lage im Ennepe-Ruhr-Kreis schätzt die Kreisverwaltung jetzt in einer Presseinformation ein.
„2025 haben rund 4.400 Schülerinnen und Schüler die allgemeinbildenden Schulen sowie die nicht beruflich qualifizierenden Bildungsgänge der Berufskollegs im Kreis verlassen. 289 von ihnen fehlte eine direkte berufliche Anschlussperspektive“, nennt Emanuel Hartkopf aus der Abteilung Bildung und Integration der Kreisverwaltung „Vor-Ort-Zahlen“.
Um sie einordnen zu können, verweist er auf die Grundlage der Daten – auf das so genannte „Schülerdatenübermittlungsgesetz NRW“. Es verpflichtet Schulen, einige Wochen vor den Sommerferien Informationen über die jungen Menschen zu liefern, die die Schule voraussichtlich ohne konkrete Perspektive verlassen.
„Da viele zunächst `Unversorgte´ bis zum tatsächlichen Schuljahresende in Eigenregie oder mit Unterstützung noch einen beruflichen Anschluss finden, liefern die mit dem Schülerdatenübermittlungsgesetz gesammelten Zahlen nur eine Momentaufnahme. Diese spiegelt das Bild der berufliche Anschlussperspektive von Schulabgängern aber nur verzerrt wider“, macht Hartkopf deutlich.
Als Beleg hierfür verweist er auch auf Recherchen der Kreisverwaltung. Ergebnis: Gut 100 der ursprünglich von den Schulen gemeldeten 289 Unversorgten haben noch Angebote der Berufskollegs des Ennepe-Ruhr-Kreises angenommen und somit doch noch einen Anschluss gefunden. Noch weiter reduziert werde die Zahl der Verbleibenden durch Anmeldungen an Berufskollegs außerhalb der Kreisgrenzen.
Für alle an Berufsberatung und -einstieg Beteiligten liegt der Wert des Gesetzes daher auch weniger im statistischen Bereich. Für sie ist deutlich wichtiger: Sie erhalten Informationen und Daten über Schülerinnen und Schüler, die auf der Suche nach Antworten auf die Frage „Wie kann es für mich weitergehen?“ Unterstützung benötigen könnten.
„Sowohl die Agentur für Arbeit als auch die kommunale Koordinierungsstelle ´Kein Abschluss ohne Anschluss´ haben so die Möglichkeit, mit den Betroffenen Kontakt aufzunehmen, sie zu beraten und ihnen passende Angebote für den Übergang in Ausbildung, Studium oder Beruf zu machen“, unterstreicht Hartkopf.
Gleichzeitig weist er auf die erheblichen Anstrengungen hin, die der Ennepe-Ruhr-Kreis mit seiner Koordinierungsstelle „Kein Abschluss ohne Anschluss“ und vielen Kooperationspartnern seit Jahren unternimmt, um jungen Menschen beim Übergang von der Schule in Ausbildung, Studium oder andere Bildungswege Orientierung zu bieten, konkrete Angebote zu machen sowie Kontakte zu Betrieben zu ermöglichen.
Ein Baustein sind die Ausbildungs-Speeddatings vor den Sommerferien. In diesem Jahr wurde dieses Angebot in Ennepetal, Hattingen und Witten von 550 Schülerinnen und Schülern genutzt. Ein anderer die so genannten Endspurtbörsen nach den Sommerferien. Diese Präsentation von noch freien Ausbildungs- und Schulplätzen nutzten im letzten Jahr bei Veranstaltungen in Ennepetal und Witten 365 Jugendliche.
„Der Übergang von der Schule in den Beruf ist für viele junge Menschen eine sehr entscheidende Phase. Unser Anspruch ist, niemanden zu verlieren. Deshalb setzen wir gemeinsam mit Schulen und Berufskollegs, der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter EN, Städten und Unternehmen auf frühzeitige Orientierung und möglichst konkrete Angebote“, betont Hartkopf.
Die damit erzielten Erfolge könnten sich sehen lassen. Denn: Der Kreis habe nur einen Anteil von deutlich unter einem Prozent an der Gesamtzahl der in NRW unversorgten Jugendlichen. Und das obwohl der Bevölkerungsanteil der betreffenden Altersgruppe von 15 bis unter 25 Jahren im Ennepe-Ruhr-Kreis im Vergleich zum gesamten Land rund doppelt so hoch sei.
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