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Anspruch und Realität klaffen auseinander: Das Wirtshaus „Anno 1739“ gibt nach nur fünf Monaten auf

Von Tanja Satur, 5.8.2026

Erst im März dieses Jahres hatte Gustav Kriese das „Anno 1739“ eröffnet. Nur wenige Monate später zieht er die Reißleine — und gibt bekannt, dass das Wirtshaus in Kürze schließen wird.Foto: Satur

Mit viel Enthusiasmus hatte Gastronom Gustav Kriese im März das „Anno 1739“ an der Frankfurter Straße eröffnet. In dem historischen Gebäude, in dem einst unter anderem die „Amigo Tapas Bar“ und die „Stippstihe“ angesiedelt waren, wollte er bewusst auf ein klassisches Konzept mit regionaler Küche und gemütlicher Atmosphäre setzen. Doch nach nur wenigen Monaten ist für das Wirtshaus bereits wieder Schluss.

Vielversprechender Start mit klarem Konzept

Eigentlich klang anfangs alles nach einem guten Plan. Kriese brachte umfangreiche Erfahrung mit: Er wuchs in einer Gastronomenfamilie auf, leitete später unter anderem Filialen von „Pizza Hut“ und arbeitete als Gebietsleiter in der Brauereibranche. In Breckerfeld wollte er mehr als nur ein Restaurant eröffnen. „Ich wollte einen Ort schaffen, an dem Menschen gerne zusammenkommen“, erklärt er. Das Wirtshaus sollte ein Treffpunkt sein — „für ein Bier nach Feierabend, für Gespräche und gemeinsame Zeit“, beschreibt er seine ursprüngliche Idee.

Positive Bewertungen, aber zu wenig Gäste

Doch nur wenige Monate nach der Eröffnung steht fest: Das „Anno 1739“ wird bald wieder schließen. Diese Entscheidung gab Kriese am Dienstag, 4. August, öffentlich bekannt.

Erneut gibt ein Gastronom das historische Gebäude an der Frankfurter Straße auf. Vor dem „Anno 1739“ war dort die „Amigo Tapas Bar“, davor die „Stippstihe“ beheimatet.Foto: Satur

Der Grund liegt offenbar nicht in der Qualität des Angebots, sondern in der wirtschaftlichen Realität: „Unsere Google-Bewertung von 4,8 Sternen machen mich stolz. Sie zeigt mir, dass wir gastronomisch vieles richtig gemacht haben.“ Leider habe er aber erkennen müssen, dass gute Gastronomie allein nicht ausreicht. Zwar hätten sich viele Breckerfelderinnen und Breckerfelder genau solch einen Treffpunkt im Ort gewünscht, doch habe sich dieses vielfach geäußerte Interesse nicht in den tatsächlichen Besucherzahlen niedergeschlagen: „Wünsche und tatsächliches Verhalten sind leider nicht immer dasselbe”, stellt er fest.

Besonders die Personalplanung habe sich für den Einzelunternehmer als Herausforderung erwiesen. Da der Arbeitsaufwand von Tag zu Tag stark schwankte, sei eine verlässliche Kalkulation kaum möglich gewesen. „Plane ich genügend Personal ein, entstehen an ruhigen Tagen Verluste. Plane ich knapper, leidet die Qualität“, beschreibt er den Spagat. Beides kam für ihn nicht infrage: „Ich gehe lieber selbst einen Schritt zurück, als Kompromisse bei Qualität oder Gastfreundschaft einzugehen“, sagt Kriese. Nach intensiven betriebswirtschaftlichen Auswertungen ziehe er nun die Konsequenz und beendet den Restaurantbetrieb.

„Das Haus hat Potenzial“

Kriese betont ausdrücklich, dass sich der Schritt nicht gegen Breckerfeld oder die Gäste richte. Im Gegenteil: „Ich bin überzeugt, dass dieses Haus das Potenzial hat, dauerhaft ein erfolgreicher Treffpunkt zu sein — vielleicht mit einem angepassten Konzept oder als Familienbetrieb vor Ort.“